Unsere Forschung
Was wir Kindern erzählen – und was nie
Bevor die erste Geschichte geschrieben wurde, haben wir 44 veröffentlichte Bilderbücher Seite für Seite gelesen und vermessen: welche Gefühle darin vorkommen, wie viel Spannung ein Kind in welchem Alter verträgt, wie viel Trost es braucht und wie ein gutes Ende gebaut ist. Daraus sind feste Regeln geworden – für alle Kinder, für jede Altersstufe, und eine klare Liste dessen, was wir nie drucken.

Wie wir geforscht haben
Eine Geschichte für ein dreijähriges Kind ist etwas anderes als eine für ein siebenjähriges. Wie anders, haben wir nicht geschätzt, sondern gemessen.
Warum wir das so genau nehmen
Dein Kind hört sein Buch nicht einmal, sondern zwanzigmal. Was beim ersten Vorlesen nur ein bisschen zu viel ist, wird beim zwanzigsten zur Angst vor einer bestimmten Seite. Deshalb entscheiden bei uns keine Einfälle, sondern Regeln.
- 44 veröffentlichte Bilderbücher in fünf Forschungsrunden – führende deutsche Reihen, internationale Bestseller und Bücher für die Allerkleinsten. Jede Seite gelesen, jede Doppelseite gezählt.
- Gemessen wurde alles, was ein Kind spürt: wo die Spannung am höchsten ist und wie lange sie dauert, welche Gefühle benannt werden, wie viele Seiten Trost folgen, wie Bücher anfangen und enden, wer das Problem löst, wie Erwachsene sich verhalten, wie lang die Sätze sind.
- 16 gemeinfreie Klassiker, Satz für Satz vermessen. Drei davon haben wir verworfen oder ihr Ende umgeschrieben, weil sie Kindern nicht zuzumuten sind.
- Sprachentwicklung als Maßstab: Satzlänge, Zeitform und Satzbau richten sich nach dem, was die Forschung zum Spracherwerb für jedes Alter beschreibt.
- 11 Geschichtsarten – vom Ausflug bis zum großen Gefühl – mit eigenem Bauplan für jede. Bevor die erste Geschichte geschrieben wurde, haben wir 1.086 Kombinationen aus Art, Thema, Auslöser, Alter und Länge geprüft.
Was wir nie drucken
Manche Themen bieten wir gar nicht erst an, und manche Dinge kommen in keiner Geschichte vor – gleich, was im Formular steht.

- Kein Tod, keine ernste Krankheit, keine Trennung der Eltern. Ist Mama krank, dann mit einer Erkältung oder einem verstauchten Fuß. Fährt Papa weg, kommt er wieder.
- Keine Spritze beim Kinderarzt, keine Geburtsszene beim Geschwisterchen.
- Keine Strafe, keine Drohung, keine Moralpredigt. Fehler sind verzeihlich, und niemand wird beschuldigt oder beschämt.
- Kein Kind wird ausgelacht. In keinem der 44 Bücher lachen Kinder ein Kind aus – bei uns auch nicht.
- Wut richtet sich nie gegen einen Menschen oder ein Tier. Sie darf an einem Gegenstand heraus – und niemand macht sie dem Kind zum Vorwurf.
- Erwachsene dürfen sich irren, werden aber nie vorgeführt.
- Kein Kind bleibt ungerettet, und jedes Buch endet in Freude oder Erleichterung – ohne Ausnahme.
- Wer die Geschenke bringt, bleibt offen – an Weihnachten wie an Ostern. Das entscheidet ihr zu Hause.
- Keine fremden Figuren: keine Serienhelden, keine Markenfiguren, kein „im Stil von“. Die Geschichte gehört deinem Kind.
- *Was du ausschließt, wird nach dem Sinn beachtet – wer „keine Hunde“ einträgt, bekommt auch keinen Welpen.
Für jedes Alter gilt
- Die Idee kommt vom Kind. Erwachsene dürfen helfen, aber den rettenden Einfall hat dein Kind. Wir trauen ihm dabei ein, zwei Jahre mehr zu, als es alt ist – das macht Mut.
- *Was dein Kind beruhigt, löst die Geschichte. Am Anfang wird es als Spiel eingeführt, in der schwierigsten Stelle hilft es weiter.
- Höchstens zwei Fünftel des Buchs sind Aufregung, und mindestens ein Fünftel gehört dem guten Ausklang.
- Jedes Buch nennt sein zentrales Gefühl – und zeigt, wie es sich im Körper anfühlt: der Kloß im Hals, die schweren Beine.
- Eine Vorlesezeit lang. 1.000 bis 1.500 Wörter – etwa sechs Minuten reines Vorlesen, mit Pausen zum Anschauen acht bis elf.
- Rhythmus statt Reim. Reime zerbrechen, sobald der Name deines Kindes darin steht. Dafür kehrt ein Lieblingssatz mindestens dreimal wieder.
2–3 Jahre
Für die Kleinsten ist die Welt groß genug. Das Problem ist ein Missgeschick aus dem Alltag – verlaufen, hingefallen, irgendwo nicht weitergekommen. Bücher für dieses Alter haben in unserer Messung keinen großen Konflikt und keinen Bösewicht.

- Vier Gefühle: Angst, Freude, Wut und Traurigkeit. Stolz einmal, nach einer echten Leistung. Scham, Neid, Schuld und Verlegenheit kommen nicht einmal vor – wenn etwas umkippt, heißt es „Hoppla“.
- Kein Bösewicht. Ein paar Seiten echte Sorge sind erlaubt, sonst gäbe es keine Geschichte – aber die Gefahr kommt aus der Situation, nicht von jemandem, und sie löst sich ohne Strafe.
- Am meisten Trost: mindestens 18 Prozent des Buchs sind reine Geborgenheit.
- Kurze Sätze in der Gegenwart, im Schnitt höchstens zwölf Wörter; Gefühle werden ausgesprochen und am Körper gezeigt.
- Kein Spott des Erzählers – Ironie würde das Kind so hören, als lache das Buch über es.
4–5 Jahre
- Mehr Gefühle: Stolz, Verlegenheit, Scham und Mitleid; Neid oder Schuldgefühl höchstens einmal und mit klarem Grund. Verlegenheit ist nie der Schluss – die Erleichterung folgt auf derselben Doppelseite, und nie, weil andere Kinder lachen.
- Ein mildes Hindernis, nie böswillig. Es wird überlistet, nicht verletzt, und der Ärger ist schnell vorbei.
- Wenn jemand etwas abbekommt, dann ein Tier oder ein Spielzeug – nie ein echter Freund deines Kindes.
- Mindestens 15 Prozent Trost, Sätze in der Gegenwart, im Schnitt höchstens vierzehn Wörter.

6–7 Jahre
- Gemischte Gefühle sind erlaubt: aufgeregt und ängstlich zugleich, froh und ein bisschen traurig.
- Ein echter Gegenspieler ist möglich. Er scheitert am Ende – unblutig und ohne Verletzungen.
- Freunde und Geschwister dürfen einen kleinen Rückschlag erleben, der sich wieder richtet, aber nie verletzt werden.
- Erzählt in der Vergangenheit, wie in einem Vorlesebuch, im Schnitt höchstens siebzehn Wörter pro Satz; mindestens 12 Prozent Trost.

Wie wir das prüfen
Jede Geschichte durchläuft eine automatische Prüfung mit über zwanzig Regeln: Satzlänge, Lesbarkeit, Länge, die erlaubten Gefühle, ob das zentrale Gefühl benannt ist und ob sie in Freude oder Erleichterung endet. Stellen, die dort auffallen, werden gezielt überarbeitet und noch einmal geprüft. Was danach noch auffällt, wird markiert – nie stillschweigend durchgewunken.
Und vor allem: Du liest die ganze Geschichte, bevor gedruckt wird. Gedruckt wird nur, was du freigibst.
Woher die Regeln kommen
Aus der Messung von 44 veröffentlichten Bilderbüchern und 16 gemeinfreien Klassikern, aus der Forschung zum Spracherwerb und aus unseren eigenen Tests mit Familien, die die Geschichten vorlesen. Mehr dazu: Wie eine Kindergeschichte gebaut ist.
Häufige Fragen
Was Eltern uns am häufigsten fragen. Fehlt deine Frage? Vieles beantwortet So funktioniert’s.
Wie viel Spannung verträgt mein Kind?
Das hängt vom Alter ab, und genau dafür haben wir gemessen: bei den Kleinsten ein Missgeschick ohne Bösewicht und viel Trost, mit vier bis fünf ein mildes Hindernis, ab sechs ein echter Gegenspieler – immer mit gutem Ende.
Kann ich festlegen, was in der Geschichte nicht vorkommen soll?
Ja. Im Formular gibt es dafür ein eigenes Feld. Es wird nach dem Sinn beachtet: Wer „keine Hunde“ einträgt, bekommt auch keinen Welpen.
Warum reimen sich die Geschichten nicht?
Weil der Name deines Kindes in jedem Satz stehen kann. Ein Reim, der für den einen Namen klingt, bricht beim nächsten. Statt Reim gibt es Rhythmus und einen Satz, der immer wiederkehrt.
Wird die Geschichte vor dem Druck kontrolliert?
Automatisch, ja – und dann von dir. Du liest die ganze Geschichte vor dem Druck, und erst deine Freigabe schickt sie in die Druckerei.
Passend dazu

Sehen, wie es entsteht
In drei Schritten erklärt: was wir fragen, was daraus wird und und warum nur gedruckt wird, was du gelesen und freigegeben hast.
Kein Foto nötig · Gedruckt in Deutschland · In wenigen Tagen da